Was sonst noch wichtig ist

• Unsere Morbus Addison-Hunde können das körpereigene Hormon Cortisol nicht mehr produzieren. Cortisol ist aber wichtig; es hat neben der Energiestoffwechsel regelnden Funktion auch die Funktion als ein wichtiges Stresshormon und beeinflusst unter anderem den Blutdruck.  Daher müssen unsere Hunde in besonderen Ausnahmesituationen mehr Kortison von außen zugeführt bekommen, als sie es im „normalen“ Alltag benötigen. Solche Situationen sind aber nicht nur die, die wir Menschen mit „Stress“ verbinden. Es erscheint jedermann einleuchtend, dass die Silvesterknallerei, ein heftiges Gewitter, eine Operation, neue und ungewohnte Situationen und Umgebungen und Ähnliches mehr für den Körper stressig sind. Für unsere Hunde können aber auch freudige Anlässe, wie zum Beispiel eine Urlaubsreise, viel lieber Besuch im Haus, langes, lebhaftes und ausgiebiges Toben und Spielen mit Hundekumpeln, ausgedehnte Wanderungen, sportliche Aktivitäten und Ähnliches mehr Stress bedeuten. Daher ist eine gute Beobachtung des Addison-Hundes oberste Pflicht, um im Zweifelsfall rasch zusätzlich benötigtes Kortison zuzuführen. Man spricht dann von einem „Boost“, einer einmaligen, zusätzlichen (meist oralen) Gabe von Kortison. Die kann und darf je nach Ausprägung des Stressmoments auch durchaus das 10-fache der Tagesdosis beinhalten (z.B. in einer Operation), übliche Dosen sind Verdoppelung bis Verdreifachung der Tagesdosis. Die Wirkung eines „Boost“ tritt rasch (binnen 30 Minuten) ein und kann durchaus auch noch im Nachgang zu einem stressigen Erlebnis (z.B. einer Beisserei mit Artgenossen) erfolgen, um Schlimmeres zu verhindern. Daher empfehlen wir allen Haltern eines Morbus Addison-Hundes, immer und zu jeder Zeit eine zusätzliche Menge Kortison mit sich zu führen (z.B. in einer wasserdichten Kapsel an Halsband, Geschirr oder Leine). Ein einmaliger „Boost“ muss auch nicht ausgeschlichen werden, sondern es erfolgt nach Beendigung der stressigen Situation einfach die weitere Gabe der regulären Medikation. Und im Zweifelsfall gilt: lieber „boosten“, als warten! Die Unterversorgung mit Kortison ist schlimmer als die einmalige Überversorgung!

• Kortison ist lichtempfindlich, es sollte daher immer im Dunkeln (Umverpackung) aufbewahrt werden. Man kann es in Wasser auflösen, muss es dann aber binnen 10 Minuten verabreichen.

• Kortison darf niemals auf nüchternen Magen verabreicht werden, da es zu schweren Schädigungen der Magenschleimhaut führen kann. Bei Nassfütterung kann es im Anschluss an die Futteraufnahme gegeben werden, bei Trockenfutter erst eine halbe Stunde nach der Aufnahme der  Mahlzeit.

• Wenn Zycortal® reduziert werden muss, dann reduziert man nie mehr als 50% der letzten erhaltenen Dosis!

• Unsere Hunde benötigen keine spezielle Diät oder Futterform. Erlaubt ist, was schmeckt, gesund und ausgewogen ist und allgemein als „hundeverträglich“ gilt.

• Eine Einschränkung hinsichtlich zusätzlicher Medikamente gibt es aber. Hunde mit Morbus Addison dürfen den Wirkstoff  Meloxicam als Schmerzmittel nicht bekommen, auch Präparate der sogenannten NSAIDs sind tabu. Stattdessen kann man z.B. Novalgin geben. Es macht Sinn, bei einer eventuellen zusätzlich benötigten Medikation den Tierarzt nochmals auf dem Morbus Addison hinzuweisen.

• Um auch in außergewöhnlichen Situationen wie Urlaub oder Ortswechsel gut präpariert zu sein empfehlen wir, sich immer alle Blut- und Diagnosebefunde aushändigen zu lassen und den Krankheitsverlauf des Hundes in einem Ordner chronologisch sowie inhaltlich gut geordnet aufzubewahren und samt der eventuellen Medikamentenänderungen ausführlich zu dokumentieren. Diesen Ordner kann man in den
außergewöhnlichen Situationen immer mit sich führen. So kann sich im Bedarfsfall ein behandlungsfremder Tierarzt schnell einen guten Überblick darüber verschaffen, wie der Verlauf ist und gewinnt an Handlungssicherheit, die am Ende unseren Hunden zugutekommt.

• Bein Morbus Addison handelt es sich um eine seltene endokrinologische Erkrankung, die mancher Tierarzt nur als kurze theoretische Abhandlung aus seinem Studium kennt. Darüber hinaus sind praktizierende Tierärzte/Tierärztinnen auch mit einer Fülle von verschiedenen Tierarten und deren manchmal sehr speziellen Erkrankungen konfrontiert. Es darf also von uns nicht erwartet werden, dass alle Tierärzte/Tierärztinnen sofort im Bilde sind, was ein Morbus Addison ist und wie er behandelt wird. Insofern kommt uns als Halter*innen eine besondere Bedeutung in der erfolgreichen Behandlung zu. Hier sind manchmal Selbstbewusstsein und unser eigenes Wissen um die Erkrankung unseres Hundes nicht zu unterschätzende Faktoren. Es hilft daher, sich selbst gut zu informieren und eventuell auch geeignete Fachliteratur zu übergeben, um dem Tierarzt / der Tierärztin „auf die Sprünge“ zu helfen. Daher hier noch einmal der Appell, sich unserer Facebook-Gruppe anzuschließen, um dort im Bedarfsfall auch Rat und Unterstützung in der Handhabung dieses besonderen Behandlungsfalles zu erhalten.