Lindas Geschichte

Pariahund
Geboren 2007

 

 

 

Die Geschichte meiner Linda sind im Grunde 2 Geschichten.

Laut Impfausweis wurde Linda am 01. Januar 2007 in Spanien (Fuerteventura) geboren. 2009 kam sie über den Tierschutz nach Deutschland und landete in einem benachbarten Tierheim. Dort erwies sie sich mit keinem anderen Hund verträglich und wie ich später erfahren sollte, wurde sie auch bereits ein paarmal erfolglos vermittelt.

2010 lernte ich Linda kennen, da mein Sohn sich sehnlichst einen Hund wünschte. Ich wollte ihm jedoch vorab klarmachen welche Verantwortung und Arbeit es ist einen Hund zu halten und meldet uns daher im Tierheim als Gassigänger an. Wir waren 3 Monate jeden Tag im Tierheim und haben dort die niedlichsten und beklopptesten Hunde spazieren geführt. Natürlich war auch Linda dabei.

Linda hat sich sehr schnell in mein Herz geschlichen und ich traute mich bald nicht mehr sie auszuführen, da ich Angst hatte das sie sich zu sehr an mich gewöhnen würde. Ich war so froh, als sie eines Tages wieder vermittelt schien. Eine Woche später war sie allerdings wieder zurück im Tierheim und es fiel die Entscheidung, dass Linda zu uns ziehen darf.

Ich wollte ja eigentlich keinen Hund…

Linda war anfänglich eine einzige Katastrophe. Leinenaggressiv, andere Hunde (egal welches Geschlecht) wollten vernichtet werden, aber das wusste ich ja bereits von den Gassirunden im Tierheim. Uns hat dann eine tolle Hundeschule sehr unterstützt und mit viel Sturheit, Konsequenz und Tränen haben wir nach gut 2 Jahren endlich zueinander gefunden. Die Hundeschule vermutet, dass Linda ein Pariahund ist (indisch: Ausgestoßene, Kastenlose; in diesem Falle: Hunde, die am Rande der menschlichen Gesellschaft leben) und der Rasse Kanaan angehört.

2014 muss es langsam angefangen haben. Linda veränderte sich. Ihr Fell verlor ihre klassische Zeichnung und wurde Sandfarben, sie wurde ruhiger, schlich oft nur hinter mir her. Beim Agility wollte sie nicht mehr über Hindernisse springen. Wir haben es anfänglich auf ihr Alter geschoben, da wir nicht sicher wussten ob sie wirklich 2007 geboren war.

Da die Süße sich in der Zwischenzeit so toll entwickelt hatte, beschloss ich ihr einen Kumpel an die Seite zu stellen. Vielleicht war ihr ja einfach nur langweilig mit mir und sie wollte gern einen Artgenossen (auf was man alles kommt, wenn man im Dunklen tappt).

Ein halbes Jahr nachdem der kleine Nachwuchs eingezogen war, ging es dann richtig los.

Sie fing an wahnsinnig viel zu trinken, schlecht zu fressen und wurde nachts oft mal undicht. Bei Spaziergängen stolperte sie häufig und landete mit der Schnauze im Dreck. Linda war plötzlich ein Häufchen Elend und ich hilflos.

Wir haben damals alles beim Tierarzt testen lassen: Diabetes, auf Parasiten, waren beim Physiotherapeuten. Alle haben mehr oder weniger mit den Schultern gezuckt. Wir hatten dann den Befund „Anaplasmose“ (es war das zweite Mal und klang einleuchtend), der Titer war wieder erhöht und die Symptome glichen dem ersten Ausbruch der Erkrankung.

Dann kamen die Sommerferien, die Fernreise war schon lange gebucht, die Hundepension ebenfalls und Linda ging es durch die Antibiotika gegen die Symptome der Anaplasmose ja auch wieder deutlich besser. Innerlich hatte ich dennoch beschlossen Linda, nach unserem Urlaub, einmal bei einer anderen Tierärztin durchchecken zu lassen.

Natürlich kam es anders!

 

In der Sommerhitze ist Linda in der Tierpension dann plötzlich kollabiert. Die Pensionsinhaber haben es zum Glück mitbekommen und sind in Rekordzeit mit ihr zu ihrer Tierärztin gefahren. Im Nachhinein hatten sie mir gesagt, dass sie nicht geglaubt hätten, dass Linda dort lebend ankommt. Sie zeigte keine Lebenszeichen mehr. Ihr Herzschlag war mit dem Stethoskop nicht auffindbar, auf dem Ultraschall war das Herz nur als Strich vorhanden (Keil- oder Schockherz). Die Tierärztin hat sofort auf Morbus Addison getippt, den ACTH Test veranlasst und auf Verdacht behandelt. Der Lebensgefährte der Pensionsinhaberin wurde nach Holland geschickt um Florinef zu besorgen, da im Sommer 2015 Astonin H der Firma Merck in Deutschland nicht lieferbar war. Wahnsinn, was die Tierpension und ihre Tierärztin in der Zeit alles für meine Maus getan haben.

Linda war bis zu meiner Rückkehr bei der Pensionsinhaberin Zuhause untergebracht. Sie hing dort am Tropf, weil man ihr die Tierklinik als zusätzlichen Stress ersparen wollten. Jeden Morgen wurden Berge an Hundedecken gewaschen, Linda auf die Wiese getragen und fast 24 Stunden am Tag nicht aus den Augen gelassen. Trotz weiterer Pensionsgäste, Hundeschule und eigenem Privatleben.

Das hat Linda definitiv das Leben gerettet!

Ich könnte noch ewig weiterschreiben, wie Dankbar ich Ihnen dafür bin, was sie geleistet haben. Seitdem geht es stetig Bergauf mit Linda. Wir hatten bis heute keine Krise mehr, kein Zittern und keine weiteren Rückschritte.